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„Die Chancen einer EU-Norderweiterung“ – Kleine Zeitung-Gastkommentar

Geopolitische Dammbrüche und US-amerikanisches Politkabarett machen es möglich. Stößt die Regierung in Washington DC traditionell enge Partner weiter vor den Kopf, gewinnt die Europäische Union an Anziehungskraft und mögliche EU-Beitritte auch von Ländern im Norden Europas an Relevanz. Während eine Aufnahme der Staaten des Westbalkans, der Ukraine und der Republik Moldau hierzulande auf wenig Gegenliebe stößt, steht man einer Nord-Erweiterung der EU jedenfalls aufgeschlossener gegenüber.

Fast zwei Drittel der Menschen in Österreich würden, so zeigen unsere aktuellen Umfragedaten, eine EU-Mitgliedschaft Norwegens begrüßen; Island und Grönland würden die Hälfte der Befragten gerne in der EU sehen. Die öffentliche Ablehnung der Nord-Länder ist verschwindend gering, bevölkerungsmäßig kleine, jedoch wohlhabende Länder, scheinen herzlich willkommen zu sein.

Fast zwei Drittel der Menschen in Österreich würden, so zeigen aktuelle Umfragedaten, eine EU-Mitgliedschaft Norwegens begrüßen. 

Und eine Nord-Erweiterung könnte schneller kommen als man glaubt. Stimmen die Isländer Ende August dafür, die seit 2013 abgebrochenen EU-Beitrittsverhandlungen wieder aufzunehmen, könnte auch die Debatte in Norwegen, das ja schon in den Binnenmarkt integriert ist, an Fahrt gewinnen. Noch ist eine mögliche Mitgliedschaft nicht mehrheitsfähig, aber der Trend geht in diese Richtung.

Überraschungen und plötzliche Wendungen sind bei der aktuellen politischen Weltlage nicht mehr auszuschließen. Ein Zuwachs aus dem Norden könnte in verhältnismäßig kurzer Zeit Wirklichkeit werden, wobei beide Seiten politisch, wirtschaftlich und strategisch profitieren würden. Auch der Beitrittsprozess von Kandidatenländern im Südosten Europas würde dadurch neuer Schwung verliehen und die Erweiterungsdiskussion in Österreich ordentlich an Fahrt gewinnen.

Kleine Zeitung-Gastkommentar von Paul Schmidt vom 10. April 2026.