Donald Trump dreht an der Eskalationsspirale als gebe es kein Morgen, bis plötzlich alles wieder anders ist. Die Traumvorstellung, Grönland zu übernehmen? Zum Glück abgesagt. Der US-Präsident zog seine Drohungen, vorerst, zurück, auch die Europäer ließen etwaige Vergeltungsmaßnahmen in der Schublade. Die große Erleichterung kam allerdings zu früh. Nachdem der Oberste Gerichtshof einen Gutteil der US-Zollentscheidungen für unrechtmäßig erklärt hat, was Trump nicht akzeptieren möchte, ist die Unsicherheit zurück. Jeder weitere transatlantische Clinch zerschlägt allerdings zusätzliches Porzellan, die einstigen Freunde entwickeln sich von Partnern zu Rivalen.
Je unabhängiger wir selbst werden, desto weniger erpressbar machen wir uns. Dabei helfen könnten auch neue Erweiterungsinitiativen.
Die Episode rund um Grönland zeigt, wie Trump tickt. Schmerzhaft exzessive Charmeoffensiven im Oval Office verfehlen ihre Wirkung. Sehr wohl reagiert Trump jedoch auf negative Reaktionen der Finanzmärkte oder den drohenden Absturz in der Wählergunst. Eine Garantie, dass europäische Gegenmaßnahmen automatisch zum Erfolg führen, gibt es nicht. Darauf zu verzichten würde die EU jedoch weiter schwächen und nur zunehmendem Druck aussetzen. Zugleich gilt: Je unabhängiger wir selbst werden, desto weniger erpressbar machen wir uns. Dabei helfen könnten auch neue Erweiterungsinitiativen.
Wenn sich der US-Präsident bei Norwegen darüber beschwert, dass ihm der Friedensnobelpreis verwehrt wird. Wenn die US-Regierung meint, das Völkerrecht nicht zu brauchen, die NATO-Beistandspflicht in Frage stellt und Trump Island mit Grönland verwechselt. Wenn die USA also immer mehr Freunde vergrämt, sollte die EU ihnen ein Angebot machen und Norwegen und Island, auch Grönland, einladen, EU-Mitglied zu werden. Beide Seiten würden profitieren.
