Zum Inhalt springen
Startseite » News » Zwei Mächte, ein Ziel: Die Destabilisierung Europas | KURIER

Zwei Mächte, ein Ziel: Die Destabilisierung Europas | KURIER

Im russisch-amerikanischen Doppelpass wird die falsche These verbreitet, dass die EU kein demokratisches Bündnis ist.

Die Größe und Bedeu­tung Öster­reichs mag sich in Gren­zen hal­ten. Für Des­in­for­ma­ti­ons­ak­teure ist das Land aller­dings, als Mul­ti­pli­ka­tor für den gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum, durch­aus von Rele­vanz. Nar­ra­tive, die hier­zu­lande erfolg­reich auf die Reise geschickt wer­den, machen auch anderswo Schlag­zei­len. Kein Wun­der also, dass der Ein­fluss rus­si­scher Fake News in Öster­reich als bedeu­tend ein­ge­stuft wird.

Der Ver­fas­sungs­schutz warnt vor hybri­den Bedro­hungs­stra­te­gien, bei der Falsch­mel­dun­gen und Spio­nage Hand in Hand gehen und auch das Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rium stuft Rus­sland als Sicher­heits­be­dro­hung ein. Mit Cybe­r­an­grif­fen, geziel­ter Des­in­for­ma­tion und Wahl­be­ein­flus­sung wird ver­sucht, Europa zu schwä­chen. Die Ukraine-Unter­stüt­zung soll unter­gra­ben, die Gesell­schaft gespal­ten sowie krem­l­freund­li­che Kräfte geför­dert wer­den – etwa mit der Idee, Öster­reich zusam­men mit Ungarn und der Slo­wa­kei in ein EU-skep­ti­sches Bünd­nis in Mit­tel­eu­ropa zu drän­gen.

Aller­dings hat die Abwahl von Vik­tor Orbán die Pläne des Kreml ordent­lich zurecht­ge­stutzt. Und auch US-Vize­prä­si­dent JD Vance hat mit sei­ner direk­ten Ein­mi­schung in den unga­ri­schen Wahl­kampf Schiff­bruch erlit­ten. Trotz­dem: auch in MAGA-Krei­sen wird Öster­reich, neben Ungarn, Ita­lien und Polen, als eines der euro­päi­schen Län­der genannt, mit denen die USA enger zusam­men­ar­bei­ten könn­ten, um es, wie es heißt, stra­te­gisch von der EU los­zu­lö­sen. Ähn­lich wie Rus­sland wol­len die USA unter Trump im Sinne von „Ame­rica First“ Anti-EU Kräfte unter­stüt­zen, um die Natio­nal­staa­ten von Brüs­sel zu ent­frem­den. In der Stra­te­gie wird vor einer zivi­li­sa­to­ri­schen Aus­lö­schung Euro­pas durch Migra­tion gewarnt und der rechts­ex­treme Remi­gra­ti­ons­dis­kurs bedient. Die Trump-Regie­rung möchte dafür welt­weit 1,8 Mrd. US-Dol­lar an Aus­lands­hil­fen umschich­ten.

In Öster­reich wie­derum neh­men FPÖ-nahe Medien den rus­sisch-ame­ri­ka­ni­schen Dop­pel­pass nur zu gerne an und bespie­len die falsche These, dass die EU kein demo­kra­ti­sches Bünd­nis sei, son­dern ein Werk­zeug glo­ba­ler Eli­ten zur Unter­drückung der Bevöl­ke­rung. Dem­nach nutze die Union Kri­sen, wie etwa die Coro­na­-Pan­de­mie oder den Kli­ma­wan­del, um eine auto­ri­täre „Öko-Dik­ta­tur“zu errich­ten, das Bar­geld abzu­schaf­fen und die Bür­ger zu über­wa­chen. Die Asyl- und Migra­ti­ons­po­li­tik der EU wird als gesteu­er­ter Plan dar­ge­stellt, um die euro­päi­sche Bevöl­ke­rung durch Migran­ten zu erset­zen und so die euro­päi­sche Kul­tur zu zer­stö­ren. Auch die Gen­der­po­li­tik würde die­sem Ziel die­nen.

Der zuneh­mende Erfolg natio­na­li­sti­scher Par­teien macht deut­lich, dass in Zei­ten von Unsi­cher­heit und Demo­kra­tie­mü­dig­keit solch externe Ein­flussnahme durch­aus auf frucht­ba­ren Boden fal­len kann. Immer­hin sehen 70 Pro­zent der Men­schen in Öster­reich mitt­ler­weile Falsch­in­for­ma­tio­nen als Bedro­hung für das Ver­trauen in Demo­kra­tie, Poli­tik und Medien. Der Auf­trag ist klar: Öster­reich und Europa soll­ten die Angriffe auf ihr demo­kra­ti­sches Gesell­schafts­sy­stem wesent­lich ern­ster neh­men und sich bes­ser dage­gen rüsten.

(Foto: Unsplash / Hartono Creative Studio)